Gedanken zur Etappe Sur Enn- Glurns

Wenn wir eines auf dieser Tour lernen ist es diesen Kontrast zwischen der bizarren Schönheit der Landschaft und wie sehr die Eingriffe der Menschen die Natur verändern.

Das Skigebiet rund um die Idalpe ist mit seinen stählernen Masten und betonierten Lifthäuschen wie eine moderne Maschinerie permanent sichtbar-und hörbar, Lastwagen und Bulldozer planieren auf gut 2000 Meter Höhe Skitrassen. Der Mensch setzt aber nicht nur durch Baumaßnahmen zu. Die globale Erwärmung hat die Eismassen in den letzten 100 Jahren um 300 bis 500 Höhenmeter zurückgehen lassen. Deutlich wird das am Fluchthorn, dessen Gletscherreste vom Fimbapass oberhalb der Heidelberger Hütte gut zu sehen sind. Dieser Berg erhielt seinen Namen von Jägern, weil ihnen früher die Gemsen dorthin entflohen.

Diese Trans-Alp ist ein Lehrstück: Es sind nicht nur die überwältigenden Landschaftseindrücke, die sich in das Gedächtnis einbrennen, sondern es ist auch die Sensibilität für die Umwelt, die mit dieser Tour wächst.

Die Tour heute begann in Sur Enn. Der Inn heißt in der Region Graubünden Enn.

Vom Campingplatz sind es nur ein paar Meter bis in das Val d´Uina. Von da an geht es erstmals auf einem gut befahrbaren Schotterweg der einige krasse Rampen für den Biker bereit hält. Nach ca. 1km haben wir uns aller Westen, Armlinge und Beinlingen entledigt.

An der Alpe Uina haben wir unseren Schweitzer Treibstoff  „Rivella“ getankt und einen schweinegeilen Almkäse gekauft. Ab hier beginnt für jeden Biker und  Wanderer ein wahnsinniges Abenteuer.

Eine der dramatischsten Schluchten der Alpen eröffnet sich uns. Um auf den dahinter liegenden Schlinigpass zu kommen, musste man bis zum Jahre 1910 einen großen Umweg in Kauf nehmen. Der deutsche Alpenverein hat zwischen 1908-1910 eine halbe Röhre in die senkrechten Felswände gesprengt. Der Weg ist ca.1,3m breit Tunnels und Galerien wechseln sich ab.

Der Weg ist nur zu schieben und die Szenerie brennt sich ins Hirn. Ein Wahnsinn!

Oberhalb der Schlucht führt ein fast fahrbarer Trailpfad zur italienischen Grenze und dann leicht bergab zur Sesvenna Hütte. Von dort sieht man schon das sonnenverwöhnte Vinschgau… Nur heute nicht. Oben auf dem Pass erwischte uns ein heftiger Regen und Wind.

Schnell runter vom Berg. Eine sehr steile Schotterstraße führte uns über Schlinig von dort weiter nach Schleis zum Ziel Glurns.

Claudia erwartete uns dort mit dem Wohnmobil im „Camping im Park“. Dieser Stellplatz liegt unmittelbar am Vinschgauradweg.

Morgen ist Ruhetag und wir werden einen Ausflug mit dem Zug nach Meran machen. Übermorgen steht eine Überführungsetappe Glurns-Meran-Lana-Sarnonico (ca.100km) an. Die geplante Route über das Madritschjoch (3123hm) muß wegen einer Schlechtwetterprognose ausfallen.

Spektakuläres Val´Uina